Licht im Treppenhaus funzelt, brennt trotzdem Träume weg
Was ich mir wünsche, ist nebenan billige Realität
In genormten Betten wälzen sich DIN-zertifizierte Opfer
der Friseur im Erdgeschoß schert bei Bedarf ein neues Ich
Ein weiterer Tag winkt seit Sonnenaufgang mit dem Baseballschläger
Türsteher vor allen Fluchtwegen und Notausgängen
Durch die Flure kriecht der Duft von Erinnerungen, Niederlagen
Fußabtreter ausm Baumarkt lügen dreisprachig: Willkommen!
Ein Vorbestrafter von morgen tritt mir ans Schienbein
Seine Mutter blickt aus stumpfen Augen auf den Boden
Die gegerbte Ruine ihres Gesichtes zerfällt ratlos
Sind das meine Kinder? Ist das mein Leben? Oder was?
Der Fahrstuhl versprüht das Parfum von frischem Urin
Die Alternative empfängt mich mit zersprungenen Türen
Vogelsilhouetten drauf, die niemals fliegen werden
Alles verkrüppelt hier, Flügel, Beine, Arme
Im zweiten Stock greift ein Rottweiler frontal an
sein Besitzer ist stolz und erzählt einen relativ neuen Witz
von Nonnen und Fußballspielern, gar nicht mal so übel
Ich kann ihn jetzt nicht wiederholen, die Bestie versteht keinen Spaß
Gellendes Lachen ausm Mund vorm Herrchen begleitet den Biß
Mein Notruf wird digital aufgezeichnet, irgendwie vergessen
und nächsten Morgen zum Frühstück abgespielt
Der Bäcker gegenüber verkauft dir heute Brötchen von gestern
Die explodieren, wenn du ein Messer hineinschneidest
und es wieder rausziehen möchtest, die scharfe Klinge im Blick
um nur ja keine verwertbaren Spuren zu hinterlassen
in der Haut der jungen, nahtlos braunen Sonnenbank-Hühner
Vergeblich schlagen sie mit krossen Chickenwings um sich
in ihren Plattenbaukäfigen, jeder Quadratmeter kostet was
Zeternd und wimmernd ereifern sie sich über ihr Schicksal
Beten um Erlösung und Erfüllung, wünschen sich in Töpfe
In denen die Gewinnerlose stecken, sie hoffen auf alles,
nur nicht auf die Niete, die sie längst gezogen haben
